Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben "Artenreiches Pferdegrünland"
Ziele
Im Rahmen einer Kooperation des DVL-Schleswig-Holstein konnten zusammen mit dem Pferdesportverband Schleswig-Holstein e.V. (PSH) in den zurückliegenden zehn Jahren praxisrelevante Erfahrungen zur Einrichtung und nachhaltigen Nutzung von artenreichem Grünland mit Pferdebetrieben gesammelt werden. 21 Betriebe mit 41 Flächen auf 70 ha konnten durch die Beratung des DVL-SH zur Anlage und Pflege von artenreichem Dauergrünland motiviert werden.
Ausgehend von den zurückliegenden Erfahrungen wird ein Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E-Vorhaben) „Artenreiches Pferdegrünland – eine Chance für den Naturschutz bundesweit“ vorbereitet (E+E-Vorphase), um bestehende wissenschaftliche Erkenntnisse und Praxiserfahrungen zur Einrichtung und Pflege von artenreichem Grünland unter Pferdenutzung modellhaft mit Praxisbetrieben in drei Bundesländern aufzuzeigen. Die Ergebnisse sollen aufbereitet und bundesweit für Praxisbetriebe und beratende Einrichtungen zur Förderung und pferdebezogenen Bewirtschaftung artenreichen Grünlands zugänglich gemacht werden. Auch sollen noch bestehende Kenntnislücken, soweit im Rahmen eines E+E-Vorhabens möglich, aufgearbeitet werden und in die Kommunikation mit einbezogen werden.
Kurzbeschreibung
Ca. 1/3 der landwirtschaftlichen Flächen werden in Deutschland als Grünland genutzt. Dies entsprach 2023 4,69 Mio. ha. Über die Hälfte der in Deutschland vorkommenden 3.600 heimischen Farn- und Blütenpflanzenarten kommen in Grün- und Offenlandbiotopen vor. Gegenüber der hohen Wertigkeit des Grün- und Offenlandes für den Natur- und Artenschutz ist das Grünland im Allgemeinen sowie das artenreiche Grünland im Besonderen allein in der jüngeren Geschichte der letzten 20 Jahren im großen Umfang verloren gegangen.
Sowohl der Artenreichtum (α–Diversität) als auch die große Vielfalt unterschiedlicher Grünlandgesellschaften (β-Diversität) auf den verbleibenden Grünlandflächen hat sich seit den 1960er-Jahren erheblich verschlechtert, so dass bundesweit von einem Verbleib artenreicher Grünlandflächen von etwa 15% der bestehenden Grünlandflächen (Stand 2013) ausgegangen wird. Gegenüber der Historie des Grünlands bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts ist das artenreiche Grünland somit < 10% der ehemaligen Grünlandfläche gesunken.
Demgegenüber unterliegen beim Grünland im Bundesdurchschnitt etwa 15 bis 20 Prozent der Fläche einer pferdebezogenen Nutzung. Das sind ca. 700.000 bis 950.000 ha. Dies kann je Bundesland deutlich abweichen (bspw. Sachsen-Anhalt > 8%, Nordrhein-Westfalen > 25 %). Pferde benötigen für eine artgerechte Ernährung arten- und strukturreiches Raufutter. Pferdegrünland besitzt für den Natur- und Artenschutz daher ein enormes Potenzial!
Allerdings ist davon auszugehen, dass die aktuelle Artenzusammensetzung des Pferdegrünlands in weiten Teilen der Flächen der von mehr oder weniger artenarmen Rinderweiden entspricht. Diese Situation entspricht nicht den Ansprüchen von Pferden an ein gesundes Futter. Aufgrund ihres Bedarfes an arten- und strukturreichem Raufutter sind Pferde in der Lage, den Aufwuchs von naturschutzfachlich hochwertigem Grünland artgerecht zu verwerten. Theoretisch decken sich daher die Ansprüche von Pferdehaltenden mit denen des Naturschutzes zur Einrichtung und dem Erhalt von naturschutzfachlich hochwertigen arten- und strukturreichen Dauergrünland (Wiesen, Weiden und Mähweiden).
Aktivitäten
Im Rahmen des E+E-Vorhabens wird modellhaft sowohl die pilothafte Einrichtung als auch die dauerhafte Nutzung von insgesamt ca. 50 - 65 ha artenreicher Grünlandflächen mit pferdehaltenden und/oder Pferdeheu erzeugenden Kooperationsbetrieben in drei Bundesländern (Hessen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein) angestrebt. Mit dem Vorhaben werden naturschutzfachlich folgende Wege verfolgt:
- Flächen in Pferdebetrieben, die weniger artenreich sind, z. B. durch intensive Vor- oder Übernutzung (hohe Besatzdichte, intensive Mahd), sollen zu artenreichen Grünlandflächen aufgewertet werden und anschließen eine naturschutzfachlich angepassten Pferdenutzung zugeführt werden.
- Auf bestehenden artenreichen Grünlandflächen soll die pferdebezogene Nutzung (ggf.) optimiert werden. Die Erfolgsfaktoren sollen herausgearbeitet und auf weniger artenreichen Flächen zur Anwendung gebracht werden. Wo artenreiches Grünland (u. a. FFH-Grünland) aus der Nutzung zu fallen droht, soll dieses beispielhaft durch die Erzeugung von Pferdeheu sowie durch die Entwicklung von an die Vegetation angepassten Beweidungssystemen erhalten bzw. entwickelt werden.
Sowohl bei aufgewerteten Flächen als auch bei der Nutzung und Pflege naturschutzfachlich hochwertigen Grünlands sollen die unterschiedlichen Nutzungsformen Weide, Mahd und Mähweide in die Betrachtung einfließen. Begleitet werden die Maßnahmen durch intensive Beratung der Praxispartner im Projekt.
Die Maßnahmen und Ergebnisse sollen wissenschaftlich begleitet sowie informations- und öffentlichkeitswirksam aufbereitet werden. Aufbauend auf den Projekterfahrungen soll ein Beratungskonzept und Beratungsmaterialien erstellt werden.
Laufzeit
2025 - 2026
Bundesland
Hessen
Nordrhein-Westfalen
Schleswig-Holstein





